Antwort auf SPÖ-Wahlkampf

Informationen an unsere Freunde und Gönner sowie an die Mitglieder des Museumsvereins “Mühlviertler Schlossmuseum Freistadt”

In der Wahl-Sonderausgabe 09/2015 der SPÖ-Zeitschrift “Freistadt Lebenswert” wurden die Freistädter über die geplanten Aktivitäten der Freistädter Sozialdemokraten in der Stadt – und besonders in der Altstadt – informiert. Einige Aussagen darin haben besonders die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Museums irritiert, wenn nicht sogar brüskiert. Auf Seite 10 und 11 dieser Broschüre, die von den Freistädter SPÖ-Mitgliedern persönlich an die Haushalte verteilt wurde, stand zu lesen:
“Das Schlossmuseum schlummert in seinem Dornröschenschlaf dahin und wartet darauf, wachgeküsst zu werden. Neben der klassischen Ausstellung könnten moderne Kunst und wechselnde Ausstellungen das Museum beleben. Altersentsprechende Angebote für Kinder und Jugendliche – Kunst und Kultur erleben – könnten das Museum wieder beleben. So kann Freistadt sich einen Namen als Kulturstadt machen.”

Wir haben bewusst mit einer Antwort und einer Gegendarstellung zu dieser in jedem Wort falschen Aussage bis nach den Wahlen gewartet, da wir wissen, dass im Wahlkampf keine vernünftigen Argumente und Beweise Geltung haben. Jetzt möchten wir aber darauf reagieren, um unsere jahrelang aufgebaute Struktur an Ehrenamtlichkeit und Professionalität nicht durch unqualifizierte Äußerungen abwerten zu lassen.

Es zeugt von einem äußerst überzogenen Selbstbewusstsein, über eine Einrichtung wie das Museum Freistadt zu urteilen, ohne jemals diese besucht zu haben oder darüber irgendwelche Informationen eingeholt zu haben. Die beiden Damen Seifried und Bamberger dürften auch nicht unsere Homepage konsultiert haben. Sonst hätten sie gewusst, dass wir in den letzten 15 Jahren mehr als 75 Sonderausstellungen gestaltet und über 200.000 Besucher zu verzeichnen gehabt haben. Sie hätten auch gewusst, dass wir nicht nur Ausstellungen zur Volkskunde und Zeitgeschichte, sondern auch zur Stadtgeschichte gemacht haben. Sie hätten auch gewusst, dass wir jedes Jahr mindestens einmal einem zeitgenössischen Künstler eine Plattform für die Präsentation seiner Werke gegeben haben. Aktuell ist z. B. eine Retrospektive auf das Lebenswerk des Pregartner Künstlers Herbert Friedl im Gesindehaus des Museums zu sehen. Neben diesen unzähligen Ausstellungen mit zeitgeschichtlichem oder aktuellem Hintergrund wollen wir mit unseren Veranstaltungen auch gezielt neue Besuchergruppen erreichen. So war es uns ein großes Anliegen, im Dezember des Vorjahres auf die
österreichweite Aktion „Hunger auf Kunst und Kultur“, bei der weniger finanzstarken Personen ein gratis Zugang zu Museen angeboten wird, aufmerksam zu machen. In diesem Zusammenhang
luden wir Vertreter und Kunden des Sozialmarktes „Arcade“ in Freistadt zur Eröffnung der Weihnachtsausstellungen ein. Die an diesem Abend eingesammelten Spenden gingen zur
Gänze als Beitrag des Museums an diese Hilfsorganisation.

Mit dieser negativen Äußerung über das Museum haben sich nicht nur die beiden “Fachfrauen” Seifried und Bamberger in das kulturelle Abseits begeben, auch die SPÖ-Stadtpolitiker Edi Anger und Wolfgang Affenzeller, die solche Behauptungen ohne Kontrolle und Korrektur durchgehen haben lassen.
Um den Betrieb des Museums aufrecht erhalten zu können, benötigen wir zahlreiche ehrenamtliche Mitarbeiter. Das Museum in Freistadt ist eines der wenigen Museen in Österreich, das jeden Tag (!) offen hat. Es gibt keine Montag-Sperrtage – wie üblich bei anderen Museen. Diese Öffnungszeiten ermöglichen einzig und allein die ehrenamtlichen Mitarbeiter, die bei Arbeitsspitzen, an Samstagen, Sonntagen und Feiertagen Dienst machen. Das Freistädter Museum ist überdies das drittgrößte Museum Oberösterreichs nach den Linzer Landes- und Stadtmuseen und dem Rieder Volkskundehaus. Das Museum verfügt über ein enormes heimatkundliches Archiv, verwaltet mehr als 16.000 analoge und weit über 160.000 digitalisierte Fotos und Dokumente. Die Bibliothek – übrigens öffentlich – besteht aus
etwa 12.000 Bänden. Sie wird rege von Heimat- und Familienforschern in Anspruch genommen. Dem Museum ist auch die “Zoll- und finanzgeschichtliche Sammlung” angeschlossen, die mit etwa 7.500 meist einzigartigen Objekten die österreichische und besonders die mühlviertler Zollgeschichte dokumentiert.

Das Mühlviertler Schlossmuseum ist auch sehr gut durch seine professionelle Arbeit in die europäische Museumslandschaft eingebettet. Das bezeugen u. a. die zahlreichen Leihgaben, die von Freistadt in viele bedeutende europäische Museum hinausgehen. So werden aktuell Freistädter Objekte zur sowjetischen Besatzungszeit im “Deutschen historischen Museum“ in Berlin gezeigt.

Liebe Freunde des Museums und liebe ehrenamtliche Mitarbeiter: Bitte lasst euch nicht durch unqualifizierte Äußerungen von politischen Parteien und von unerfahrenen “Fachleuten” von eurer Freude an der Museumsarbeit abhalten. Ihr habt in den letzten 15 Jahren großartige Arbeit geleistet, und niemand ist dazu berechtigt, diese schlecht zu machen.

Nachtrag:
Wie aktuell die Forderungen der SPÖ-Freistadt nach kultureller Innovation sind, beweist auch folgender “revolutionärer” Vorschlag in ihrem Parteiprogramm:
“Junge moderne Innovationen könnten in der alten Stadt Freistadt Einzug halten, z. B. durch virtuelle Stadtführungen anhand von QR-Codes und Apps, die wirklich weiterführende und vertiefende Informationen bieten – für jeden Smartphonebenutzer abrufbar.”
Dieses Projekt hat bereits der Fotoklub Freistadt in Zusammenarbeit mit dem Kulturausschuss der Stadtgemeinde Freistadt im Jahr 2012 verwirklicht. Es war dies ein Projekt zur Landesausstellung. Seitdem gibt es diese “modernen Innovationen” flächendeckend in Freistadt. Die Kosten und die Umsetzung wurden in mindestens zwei Kulturausschusssitzungen behandelt. Dabei waren auch SPÖ-Mandatare anwesend. Vielleicht sollte man diese zuerst einmal “wachküssen”.

Peter Knoll – Obmann des Museumsvereins Fritz Fellner – Kustos des Museums