Die Rosenberger in Borovany

11. Mai 2012

Die äußerst erfolgreiche Wanderausstellung “Die Rosenberger und unsere gemeinsame Geschichte” hat nun Station in der südböhmischen Stadt Borovany gemacht. Bei der stimmigen Ausstellungseröffnung am 9. Mai 2012 betonten die Redner, dass seit der ersten Aussstellung im Herbst 2010 in Prag bisher an die 100.000 Besucher gezählt werden konnten. Die sowohl grafisch als auch inhaltlich hervorragend gestaltete Schau hat bewußt in Borovany Station gemacht, denn diese Stadt zwischen Budweis und Wittingau hat mehrere Berührungspunkte mit dem Geschlecht der Rosenberger. Borovany wurde 1186 erstmals in einer Urkunde erwähnt, in der das niederösterreichische Stift Zwettl seine Grenzen regelte. Seit 1291 gehörte der Ort Wok von Borovan (daher stammt der slawische Name der Stadt, auf deutsch heißt sie Forbes) aus dem witigonischen Familienzweig der Herren von Landstein. 1327 besaß Wilhelm von Landstein den Ort und die Herrschaft, dessen Sohn Vítek/Veit diese 1359 an die Gebrüder Peter, Jost, Ulrich und Johann von Rosenberg verkaufte. Die Rosenberger vereinten Borovany mit ihren Besitztümern in Gratzen.
Nach rasch wechselnden Eigentümern im 15. Jhdt. kaufte der Budweiser Patrizier Peter von Linda die Herrschaft. Dieser stiftete 1455 das Augustinerkloster und ließ die Kirche Mariä Heimsuchung errichten. 1466 war der spätgotische Bau vollendet.
Das Kloster stand unter dem Patronat der Rosenberger. 1564 griff Wilhelm von Rosenberg regulierend ein und schloss das Kloster auf Grund der Misswirtschaft des Propstes Matěj Kozka von Rynárec. Den klösterlichen Besitz übernahmen die Rosenberger. Nach dem Tode Peter Woks von Rosenberg wurden 1611 die Schwanberger neue Besitzer.
In dem vorbildlich renovierten Augustinerkloster, dem repräsentativsten Gebäudekomplex weitum, ist auch die “Rosenberger-Ausstellung” zu sehen. Ein besserer Rahmen könnte sich gar nicht anbieten. In der Zeit der Gegenreformation wurde das Klosterleben in diesen Mauern wieder belebt. Bis zur Klosterreform Kaiser Josefs II. 1785, wo das Kloster abermals geschlossen und profanisiert wurde. Johann Fürst Schwarzenberg ließ das Gebäude zu einem Schloss umbauen. Wie so viele andere adelige oder geistliche Gebäude wurde es in der kommunistischen Zeit derart vernachlässigt, dass beinahe ein Ruine übrig blieb. Nach nunmehr mehrjährigen Renovierungsarbeiten mit Kosten in der Höhe von 60 Mio. tsch. Kronen präsentiert sich das geschichtsträchtige Gebäude in neuem Glanz.
Borovany ist etwa 60 km von Freistadt entfernt. Jeder der ein Navi hat, findet es leicht. Wer keines hat, kann mich anrufen, ich erkläre den Weg dorthin. Denn eines steht fest: Borovany mit dem renovierten Kapuzinerkloster ist einen Ausflug wert.
Fritz Fellner