Chronik

Von 1946 bis heute

Erste Schritte, Ortsausschuß, Patenschaft

 

Es war für Rosenberger Stadtbewohner und die Bauern aus der Pfarrgemeinde nach der Vertreibung in den Aufnahmeländern, die selbst unter Kriegsfolgen zu leiden hatten, schwer Fuß zu fassen. Sie wurden Flüchtlinge genannt mit etwas abwertendem Unterton, obwohl sie viel lieber in der Heimat geblieben wären.

Nachdem sich natürlicherweise zuerst die Familien wieder zusam­mengefunden hatten, und auch die Sorgen um das tägliche Brot im Existenzringen nicht mehr ausschließlich im Vordergrund standen, erinnerte man sich wieder an die früheren Gemeinsamkeiten.

Beim steten Bemühen, die Rosenberger zusammenzuführen, stan­den Alfred Watzl und Karl und Josef Wiltschko an vorderster Stelle.

Eine Würdigung der Persönlichkeit von Fredl, wie wir ihn alle nann­ten, und der uns am 12. Juli 1992 unerwartet verlassen hat, kann am besten durch die Beschreibung seiner unermüdlichen Tätigkeit für unsere Belange geschehen.

Alfred Watzl, der treue Sohn Rosenbergs, war tief mit seiner Böhmerwaldheimat verwurzelt. Echte Heimatliebe formte ihn und bestimmte sein Leben, aus ihr schöpfte er seine unermüdliche Kraft für sein Tun und Wirken. Heimat war für ihn mehr als nur materieller Besitz, Heimat war für ihn die Verbundenheit mit der Landschaft, den Menschen und dem Altvertrauten, es war alles, was er von daheim mitbekommen und was ihn geprägt hat. Sein Herz hing mit allen Fasern an der Heimat, ihr und seinen Landsleuten fühlte er sich stets verpfiichtet. In der Liebe zur Heimat und seinen Rosenbergern starb er auch.

Zum Treffen „10 Jahre Patenschaft mit Freistadt“ hatte er noch ein umfangreiches und mustergültiges Programm erstellt und durchge­führt. Mitreißend waren seine Pläne für die 750-Jahr-Feier, sie wurden leider zum Abschiedsgeschenk, aber auch zum Auftrag, in seinem Sinne weiterzumachen, nicht aufzugeben und der Heimat die Treue zu halten. Der Tod des verdienstvollen Bürgers der Heimatstadt riß in der Rosenberger Gemeinschaft eine schmerzliche Lücke.

Beim Böhmerwaldtreffen 1970 im Linzer Märzenkeller wurde die Idee von eigenen „Rosenberger Treffen“ geboren. Watzl schritt sofort zur Tat. In den Heimatblättern lud er bald darauf zu einer Vor­besprechung nach Schärding ein. Dort kam es zur Gründung des Rosenberger Ortsausschusses. Noch im selben Jahr erging von Watzl an die Landsleute die Einladung zum ersten Rosenberger Treffen. Weitere Treffen, auch von ihm organisiert, folgten nun jedes Jahr. Den Höhepunkt aller Treffen bildete dann das Patenschaftsfest mit Freistadt im Jahre 1982. Es war ein Fest mit hervorragendem Programm, bestens organisiert und durchgeführt. Ein b!eibendes Denkmal für Alfred Watzl. Die umfangreiche Festschrift, ebenfalls von ihm erstellt, erforderte viel Zeitaufwand und zeugt von großem fun­diertem Wissen über die Heimat.

Auch die Patenschaftsurkunde und der Entwurf der Pfarrfahne sind sein Werk. All die Jahre hat Watzl mit Eifer und Begeisterung hei­matliches Kulturgut gesammelt und ein umfangreiches Archiv aufgebaut. Unersetzliches hat er damit den Nachkommen gerettet. Eine umfassende Ortschronik zu schreiben, wäre sein nächstes gesetztes Ziel gewesen. Mit seinem Wissen und seiner Arbeitsfreudigkeit hätte er wohl ein ausgezeichnetes Werk geschaffen. Doch dazu kam es nicht mehr — zum großen Bedauern der Rosenberger.

Bei den zahlreichen Heimattreffen hat Watzl viele Ideen verwirklicht und Aktivitäten gesetzt. Seine Landsleute lagen ihm dabei besonders am Herzen. Die in aller Welt verstreut lebenden Rosenberger zu erfassen und mit ihnen Kontakt aufzunehmen, war eines seiner ersten Ziele. Mit den jährlichen Rundschreiben gelang es ihm, die Menschen zusammenzuführen und das Zusammengehörigkeits­gefühl zu wecken. Die großen Besucherzahlen bei den Heimattreffen waren der schönste Ausdruck dafür. Das gemeinsame schwere Schicksal der Vertreibung wurde zum Bindeglied über alle Grenzen hinweg.

Es ist das große Verdienst Alfred Watzl‘s, in selbstlosem Einsatz dazu beigetragen zu haben, daß die Rosenberger auch in der Verstreutheit eine große Gemeinschaft geblieben sind und daß die Heimat Rosenberg in ihnen weiterlebt.

Wer ein Ziel verfolgt, findet nicht immer glatte Straßen vor, auch auf Watzl‘s Lebensweg lagen viele kleine und auch große Steine. Er machte aber deshalb keine Umwege. Gerade, treu und jeder Falschheit abhold, ging er weiter und blieb ein Mahner und Rufer für Heimat und Recht.

Die 750-Jahr-Feier blieb also ein Werk der beiden Brüder Karl und Josef Wiltschko und Ing. Fritz Köppl. Es war ein großes Ereignis in unserer Patenstadt Freistadt, ebenso wie das 25- und 30- jährige Jubiläum der Patenschaftsgründung.

Dazwischen lag auch noch die Erstellung unserer Heimatstube ebenfalls bewerkstelligt durch oben Genannte in den von der Patenstadt zur Verfügung gestellten Räumen.

Nach der ersten Idee in 1971 am Pöstlingberg in Linz, der Konstituierung als Gemeinschaft in 1980 in Freistadt  mit der Patenschaftsvereinbarung in 1982 ging der Ortsausschuss der Stadt und Pfarre Rosenberg 2015 in einen ordentlichen Verein unter gleichem Namen über.

Der Ortsausschuss