Aktuell und Vorschau

AKTUELL
Das Mühlviertler Schlossmuseum Freistadt nimmt das Jahr 2018 zum Anlass, um an Ereignisse in Zusammenhang mit der Grenze Mühlviertel-Südböhmen zu erinnern. Der rote Faden, der sich durch die sechs Ausstellungen zieht, sind die „Achterjahre“ – 1918, 1938, 1948, 1968 und 1989, in denen sich politische und gesellschaftliche Änderungen vollzogen haben, die auch die Kleinregion Mühlviertel nicht unberührt ließen. Bis zum Jahr 1989 war die Grenze – die Staatsgrenze – sowohl ein wirtschaftlicher als auch ein prägender emotionaler Faktor: Die Grenze zur Tschechoslowakei war im Gedächtnis der Mühlviertler überwiegend negativ konnotiert. Schuld daran waren einerseits die Erfahrungen nach den beiden Weltkriegen, andererseits die Propaganda im eigenen Land. So wurde den Bewohnern des Mühlviertels immer wieder bewusst gemacht, dass die Grenze eine ungerechte, praktisch willkürliche Grenze sei, die die Sieger den Besiegten aufgezwungen haben. Diese stark auf Emotionen fußende Einstellung wurde durch die Errichtung des „Eisernen Vorhangs“ bestätigt und noch weiter verstärkt.
Die sechs Ausstellungen im Mühlviertler Schlossmuseum decken zwar nur eine Zeitspanne von 70 Jahren ab, vermitteln aber jene rasante Entwicklung, die von der Weltpolitik ausgelöst bis in die entlegensten Winkel des Böhmerwaldes wirkte. Die einzelnen Menschen, sowohl diesseits als auch jenseits der Grenze, waren vielfach nur Zaungäste, hilflose und oft auch nur sprachlose Statisten.

PRESSEINFORMATION_Zwischen den Kriegen

TIPS Die Achterjahre: Roter Faden für sechs Ausstellungen im Schlossmuseum

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PDF: Informationen zu den Ausstellungen

14. 4. bis 26. 10. 2018
Wendezeiten – Hart an der Grenze
Ausstellungseröffnung: 13. 4. 2018 in der Säulenhalle
Kuratoren: Fritz Fellner, Hubert Roiß
Die Bewohner des Mühlviertels lebten mehr als 800 Jahre “Hart an der Grenze”. Dies ist sowohl gesellschaftlich wie auch wirtschaftlich zu verstehen. Das Mühlviertel und Südböhmen waren Ungunstlagen in vielerlei Hinsicht: vorherrschend waren die Randlage, die Höhenlage und die Transitlage. Das alles wurde im Lauf der Geschichte zu einem Markenzeichen für Landschaft und Bewohner. Diese topografischen Gegebenheiten beeinflussten auch wesentlich die Geschichte dieser beiden Landstriche. Eine Zuspitzung erfolgte im 20. Jahrhundert. Schlag auf Schlag änderte sich der Charakter der Grenze, der reale Zustand, Grenzbalken senkten und hoben sich.
14. 4. bis 27. 5. 2018
Das Jahr 1918 – Begrenzen: Zwei neue Staaten, eine Grenze
Ausstellungseröffnung: 13. 4. 2018 im Gesindehaus
Kuratoren: Kurt Cerwenka, Fritz Fellner
Das Jahr 1918 endete mit Konflikten an der Grenze. Tschechische Truppen besetzten die meist von deutschsprachigen Personen bewohnten Orte und verhinderten so, dass diese an Deutsch-Österreich angeschlossen wurden. Die Bevölkerung des Mühlviertels war äußerst beunruhigt. Die Pariser Friedensverträge schafften Klarheit: die deutschsprachigen Gebiete Böhmens kamen nicht zu Österreich, sondern zur Tschechoslowakei.
9. 6. bis 15. 7. 2018
Das Jahr 1938 – Ausgrenzen: Verschobene Grenzen
Ausstellungseröffnung: 8. 6. 2018 im Gesindehaus
Kuratoren: Kurt Cerwenka, Fritz Fellner
Nach der schon unruhigen Zwischenkriegszeit kamen 1938 noch turbulentere Zeiten: Nach dem Anschluss Österreichs wurde auch das Sudetenland an Nazideutschland angeschlossen. Die Grenze an der Maltsch und am Böhmerwaldkamm ist über Nacht verschwunden und in das Landesinnere verschoben worden. Vorbereitet wurde dieser Überfall durch einen abscheulichen Propagandakrieg von Seiten Deutschlands, aber auch durch Gewalttätigkeiten und Unterdrückungen durch den sudetendeutschen Freikorps.
28.7 bis 26. 8. 2018
Das Jahr 1948 – Eingrenzen: Der eiserne Vorhang teilt Europa
Ausstellungseröffnung: 27. 7. 2018 im Gesindehaus
Kuratoren: Kurt Cerwenka, Fritz Fellner
Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges und nach der Vertreibung der deutschsprachigen Bevölkerung haben Kommunisten im Februar 1948 die Macht in der Tschechoslowakei übernommen. Ab diesem Zeitpunkt begann man auch die Außengrenzen stark zu befestigen. Es wurde ein “Eiserner Vorhang” quer durch Europa gezogen. Er bildete nach dem Zweiten Weltkrieg bis zu den Revolutionen im Jahr 1989 die Trennlinie zwischen den marktwirtschaftlich orientierten demokratischen Staaten im Westen und den planwirtschaftlich geleiteten, sozialistischen Diktaturen im Osten. Die Grenze zwischen dem Mühlviertel und Südböhmen war auch ein Teil dieses “Eisernen Vorhangs”.
8. 9. bis 26.10. 2018
Das Jahr 1968 – Abgrenzen: “Prager Frühling” und “Normalisierung”
Ausstellungseröffnung: 7. 9. 2018 im Gesindehaus
Als Prager Frühling (Pražské jaro) wird die politische Entwicklung in der Tschechoslowakei im Jahr 1968 bezeichnet, bei der die kommunistische Partei (KPČ) unter der Leitung von Alexander Dubček ein Liberalisierungs- und Demokratisierungsprogramm durchsetzen wollte. Der Prager Frühling ist einerseits der Versuch, einen „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“ zu etablieren, andererseits wird diese Bezeichnung auch mit der Niederschlagung dieser Reformbemühungen am 21. August 1968 durch den Einmarsch der Truppen des Warschauer Paktes in Verbindung gebracht.
13. 4. bis 2. 6. 2019
Das Jahr 1989 – Entgrenzen: “Die Samtene Revolution”
Ausstellungseröffnung: 12. 4. 2019 im Gesindehaus
Kuratoren: Kurt Cerwenka, Fritz Fellner
Am vorläufigen Endpunkt in der Geschichte der Grenze zwischen dem Mühlviertel und Südböhmen steht die sogenannte “samtene Revolution” (Sametová revoluce) in der Tschechoslowakei und die Grenzöffnung im Jahr 1989. Im Spätherbst des Jahres fanden im ganzen Land Demonstrationen gegen das Regime statt. Durch den Niedergang der politischen Macht in den kommunistischen Bruderstaaten und durch die landesweiten Demonstrationen kam es zu Verhandlungen zwischen dem Bürgerforum und der kommunistischen Partei.