Fassbinder

Die Verwendung von Holzfässern ist seit der Antike belegbar, wahrscheinlich kamen sie jedoch bereits weit früher zum Einsatz. Ihre Form ist insofern optimal, als sich selbst schwere Exemplare manövrierfähig hält: Fässer können gerollt oder “getrudelt” (d. h. auf einer Kante bewegt) sowie mit einigen Schwüngen von einer liegenden Position in eine stehende hochgekantet werden.
Nach Auswahl des richtigen Holzes wurden aus dem Stamm vorsichtig plankenförmige Teile für die Dauben (die späteren Seitenteile) gespalten werden. Ein Satz Dauben wurde dann mit Hilfe von Krummeisen, Reifmesser, Seitbeil und Hobel in Form gebracht, um ein nahtloses Ineinandergreifen der Rundung zu erreichen. Arbeitete der Fassbinder nicht präzise, passten die Dauben nicht exakt und das fertige Fass leckte.
Die Dauben wurden mittels Wasserdampf und Hitze so geschmeidig und biegbar gemacht, dass die Rundung und Wölbung vorgenommen werden konnte. Dazu wurden von beiden Seiten verschieden große, vorläufige Holz- oder Eisenreifen mit Hammer und Reifsetzer über die gespreizten Dauben getrieben. Nach dem Abkühlen konnten Deckel und Boden unter Verwendung zahlreicher Spezialwerkzeuge (z. B.: End-, Saum- und Kimmhobel) angepasst und mit dem Auszieher durch das Spundloch an die richtige Stelle befördert werden. Danach wurde die Außenseite des Fasses nochmals mit verschiedenen Hobeln geglättet und die vorläufigen Fassreifen wurden durch gehärtete und vernietete Stahlbänder ersetzt.
Zum Repertoire der Fassbinder gehörte auch die Fertigung von Melkeimern, Wasserkübeln, Butterfässern, Trinkhumpen und anderen Gefäßen.

QRCode