Mediathek

Die Sammlung von Bildern, Dokumenten und Handschriften ist die Aufgabe der “Mediathek”, die vor kurzem im Mühlviertler Schlossmuseum Freistadt eingerichtet wurde. Mit Hilfe einer Euregio-Förderung konnten sowohl die technischen Voraussetzungen geschaffen werden wie auch personelle Belange abgedeckt werden. Unter der Leitung von Dr. Hubert Roiß (Obmann des Vereins Mühlviertler Museumsstraße) konnten im Förderzeitraum mit Hilfe von drei fachlich versierten Praktikanten bereits an die 20.000 Objekte gesichert werden. Die Objektscans werden in einer speziell dafür entwickelten Datenbank auf dem museumseigenen Server gesichert. Was wird gesammelt, was wird gesucht?

Historische Schätze zwischen Donau und Moldau
Bilder, Filme und Dokumente aus dem Alltagsleben einer Region

Wer den 2. Weltkrieg als Jugendlicher mit 10 oder 15 Jahren bewusst miterlebt hat, ist heute fast 90 Jahre alt! Mit diesen Zeitzeugen verschwinden auch zusehends deren Erfahrungen und vor allem deren gesammeltes Wissen in Form von Fotos, Filmen, Dias oder Zeitungsartikeln. Nicht selten können Nachkommen nur wenig mit diesen zeitgeschichtlichen Dokumenten anfangen, oft landen sie daher im Altpapiercontainer oder in der Mülltonne. Und den meisten ist dabei gar nicht bewusst, welch kostbare Unterlagen so vernichtet werden.
Auf der anderen Seite finden noch lebende Zeitzeugen immer schwerer Ansprechpersonen oder eine Kontaktstelle, die Interesse an ihrer Geschichte und ihren Geschichten, an den Bildern und Aufnahmen haben. Das Projekt „Historische Schätze zwischen Donau und Moldau“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, sich um diese wertvollen Informationen und Dokumente anzunehmen.
Das Schlossmuseum Freistadt und das Regionalmuseum in Český Krumlov / Krumau bieten sich ab sofort als Anlaufstelle für Zeitzeugen und zeitgeschichtliche Unterlagen im Mühlviertel und Südböhmen an. Hier werden geschichtlich relevante Dokumente wie Fotos, Dias, Filme, Briefe oder Zeitungsartikel digitalisiert und auf Wunsch den Besitzern wieder zurückgegeben. So entsteht im Laufe der Monate eine einzigartige Sammlung über das Alltagsleben im Böhmerwald und über herausragende Ereignisse, wie zum Beispiel die beiden Weltkriege, die Besatzungszeit, die Zeit des Prager Frühlings, das Jahr 1968, die Jahre am Eisernen Vorhang oder die samtene Revolution in Tschechien 1989 und ihre Spuren im Mühlviertel.
Diese digitalisierten Geschichtsdokumente werden in einem grenzüberschreitenden EU-Projekt gesammelt und für wissenschaftliche, museale und Forschungszwecke bereitgestellt. Dabei geht es aber nicht nur um prägende zeitgeschichtliche Ereignisse sondern auch um Bild-, Film- und Tondokumente des Alltaglebens im Böhmerwald. Wie haben die Menschen in den verschiedenen Jahrzehnten gelebt, wie ihre Feste gefeiert? Wie funktionierte das Leben „über die Grenze“? Wie haben sich Orte und Landschaften verändert? Verkehr und Verkehrswege, Traditionen und Brauchtum, Kleidung und Wohnen, Feste und Jubiläen, Arbeit und Freizeit – all das will „Historische Schätze zwischen Donau und Moldau“ in Bild und Ton bewahren und Interessierten zur Verfügung stellen.
Fachleute, Historiker und renommierte Heimatforscher garantieren eine gründliche, fundierte und seriöse Aufarbeitung der Dokumente. Die „Euregio Bayerischer Wald / Böhmerwald“ unterstützt das Projekt in den ersten Monaten finanziell und ermöglicht so auch technisch eine bestmögliche Bearbeitung und Konservierung der Dokumente.
Gesucht werden:
Fotos, Ansichtskarten und Dias
Zeitungsartikel und Dokumente (Pässe, Passierscheine, Urkunden…)
Tagebuchaufzeichnungen, Briefe
Tonaufnahmen
Filmaufnahmen jeden Formats (8mm, 16mm, 9mm, Super 8 etc.)

Außerdem ist geplant, durch Zeitzeugeninterviews auch eine umfangreiche Datenbank an „oral history“, also erzählter Geschichte aus eigenem Erleben, anzulegen.

Das Projekt „Historische Schätze zwischen Donau und Moldau“ wird zweisprachig (Deutsch und Tschechisch) geführt und ermöglicht so eine wissenschaftliche Aufarbeitung und Verwendung sowohl in Oberösterreich als auch in Südböhmen. Träger dieses Projekts ist die Mühlviertler Museumsstraße.

Foto: Dr. Hubert Roiß mit der Mannschaft des Museums und dem IT-Fachmann Stefan Resch, der die Datenbank für die Mediathek und die Kleinmuseen an die Erfordernisse angepaßt hat.